Diesmal gibt es gleich zwei Berichte

A) Werksbesichtigung CarboFibretec
   

24. Mai 2019, Friedrichshafen  


Kennen Sie die Firma CarboFibretec? Nicht? Schade, sollten Sie. Zumindest wenn Sie ein Rennrad besitzen oder in der Luft- und Raumfahrt beschäftigt sind. 


Abbildung 1 Gebäude des Unternehmens am Flughafen Fn


Das Unternehmen ist ein Hidden Champion hier am See (https://carbofibretec.de/). Lance Armstrong und viele andere Rennfahrer kaufen hier ein – Räder und komplette Rennmaschinen. Diese sind aus Carbon, und das ist das Material, das CarboFibretec hervorragend zu verarbeiten mag, besser als die Konkurrenz. 



Abbildung 2 Fahrradreifen in Carbon

Die Bilder 2 bis 4 zeigen hier einige Produkte. Die Fertigungspalette aber reicht vom Außenspiegel für hochwertige Autos über Teile für Dialysegeräte bis hin zu Komponenten in fliegenden Systemen, in der Luft und im All. Angewendet werden Produktionsverfahren wie Harzinjektion, Wickeltechnik und Autoklavverfahren. Extrem leichte Tragsysteme für Hallen, Roboterarme, 30 m Ausleger für das Besprühen vom Traktor oder die Fahrradfelge als integrierter Bestandteil des Motors für ein Rennrad sind Innovationsprodukte, die hier – auch mit Universitäten – entwickelt und gefertigt werden. Präzision ist gefragt und die ruhige Hand der Mitarbeiter.

Abbildung 3 Tragstrukturen für die Medizin
Abbildung 4 Tragstrukturen für die Landwirtschaft


 Dies alles vermittelt uns Erhard Wissler, der seinen Betrieb mit dem Wissen ehemaliger Dorniermitarbeiter zur heutigen Blüte gebracht hat. Mit ca. 60 Mitarbeitern vor Ort wird in großzügigen Räumen gefertigt. Eine ganze Reihe von Produktionsmaschinen sind selbst entwickelt, weil nur so der selbst auferlegte hohe Qualitätsstandard erreicht wird. Und auch im sozialen Bereich setzt der Mittelständler Maßstäbe: ein eigener Koch versorgt die Mannschaft zu Mittag.


Abbildung 5 (v.l.n.r.) E. Wissler, R. Dworak, P. Gotterbarm, Dr. H. Kräwinkel (MIT-Kreisvorsitzender Bodensee), V. Mayer-Lay (CDU-Kreisvorsitzender), C. Bangert (MIT-Kreisvorsitzender Ravensburg, L. Riebsamen (MdB), B. Köpper, J. Aigner





 

Wir, die Mitglieder der MIT Mittelstandsvereinigung Bodensee, dürfen am Mittagstisch teilnehmen und anschließend unsere Vorstandssitzung im Firmenkonferenzraum durchführen.  Eine tolle Firma, tolle Produkte. Wir bedanken uns ganz herzlich.




B) MIT Bodensee holt die Vorsitzende des
     Normenkontrollrates an den See

7. Juni 2019, Meersburg


Abbildung 1 Empfehlungsbericht 2018 des Normenkontrollrates

Wer hat nicht schon alles darüber geärgert, wenn Formulare handschriftlich ausgefüllt zum Amt getragen werden müssen, häufig 10 oder mehr Blätter, häufig mit wiederkehrender Abfrage des Namens, Geburtsdatums, Wohnorts. Und wenn dann bei den Anträgen auch noch viel Geld im Spiel ist wie zum Beispiel bei Bauunterlagen und die Antwort sich hinzieht, drei Monate oder ein ganzes Jahr und eine Zwischenfinanzierung nicht mehr umgangen werden kann, dann wird es mehr als ärgerlich.

Hier setzt der 2017 in Baden-Württemberg eingerichtete Normenkontrollrat an (www.normenkontrollrat-bw.de ).


Abbildung 2 Mitglieder des Normenkontrollrates, v.l.n.r:: Dr. G. MeisterScheufelen, B. Bauer, Dr. h.c. R. Böhmer, Prof. Dr. G. Färber, G. Stuchlik, C. Munkwitz (Bild Normenkontrollrat)

 

Er ist eine unabhängig Verwaltungs-institution angegliedert beim Staats-ministerium Baden-Württemberg, die bestehendes, insbesondere aber jedes neue Gesetz, jede Verordnung oder Verwaltungsvorschrift des Landes auf seine Folgekosten bzw. den Folgeaufwand für Verwaltung, Unternehmen und Bürger untersucht. Der Normenkontrollrat legt jährlich dem Landesparlament einen Bericht vor – und natürlich freut sich die Opposition, genüßlich Dinge herauszupicken und die Regierung Rede und Antwort stehen zu lassen. Damit, so die Vorsitzende Dr. Gisela Meister-Scheufelen, kann nichts unter den Tisch gekehrt werden 

Trotz des kurzen Bestehens dieser Institution kann sie inzwischen einige Erfolge vorweisen, wie auch vor kurzer Zeit im Südkurier (20. Mai) berichtet: durch eine Wohnungsbaureform kann laut  Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut 100 Millionen Euro pro Jahr für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung eingespart werden. Der Normenkontrollrat hat hier mit Vereinfachungsvorschlägen unterstützt und Berechnungen zu den Einsparungen durchgeführt. 

Abbildung 3 Dr. Gisela Meister-Scheufelen (Vorsitzende des Normenkontrollrats) und Dr. Hartmut Kräwinkel (MIT- Kreisvorsitzender)

 

Das fachlich hochkarätige Publikum mit Personen aus dem Hotel- und Baugewerbe, ehemalige Bürgermeister und der Ärzteschaft konnte mit Hinweisen auf zu viel Bürokratie mit zahlreichen Beispielen aufwarten: etwa, wenn fortlaufend durch das Personal und den Arzt kontrollierte Geräte dreimal hintereinander vom Hersteller, anschließend vom TÜV und dann nochmal von der Behörde geprüft werden (wobei letztere nichts anderes machen als die Unterschrift des Servicetechnikers zu prüfen, dafür aber jeder ordentlich abkassiert).

Was auch angesprochen wurde: viel Bürokratie entsteht nicht durch Gesetze, sondern durch Normung (dabei sogar manchmal in den Normungsgremien einseitig durch Lobbyismus beeinflusst). Hier fehlt noch die Möglichkeit, z.B. durch Offenlegung der Teilnehmer mehr Transparenz und Kontrolle herzustellen.


Die MIT Mittelstandsvereinigung Bodensee hat mit Frau Meister-Scheufelen nicht nur die Vorsitzende des Normenkontrollrates an den Bodensee gebracht, sondern auch eine extrem sachkundige und schlagfertige Rednerin, die etliche Anekdoten für überbordende Bürokratie in ihren Vortrag einfließen ließ. Mitnehmen konnte man, dass es sich für jeden Bürger lohnt, Mängel in der Bürokratie nicht mit Wut hinzunehmen, sondern diese beim Normenkontrollrat zu melden (siehe QR-Code unten).