Unternehmerabend im Dorniermuseum 

Friedrichshafen, 26. August 2021  


Bild 1 Dornier-Museum am Abend Alle Fotos: Silke Magino








 

Bild 2 Anne Schmieder

Initiiert durch die Unternehmerin Frau Anne Schmieder und gemeinsam mit den Verbänden MIT Bodensee und Ravensburg, dem Wirtschaftsrat der CDU und dem Verband der Unternehmerinnen war zum „Unternehmerabend“ am 26.8.2021 im Dornier Museum in Friedrichshafen eingeladen worden.


Bild 3 vlnr: C. Bangert (MIT), F. Schmieder (Wirtschaftsrat), I. Rosenbauer (VdU), Dr. H. Kräwinkel (MIT)

 Zahlreiche Gäste waren erschienen und genossen die interessante Umgebung bei einem Apertif bevor die Gesprächsrunden starteten. Unter Ihnen der Präsident der IHK Herr Martin Buck, die Landesvorsitzende des  VdU Frau Iris Rosenbauer und ihre Vorstandskolleginnen Frau Gabriele Schramm vom Wirtschaftsrat Sektion Ravensburg/Friedrichshafen ihr Sprecher Florian Schmieder und der Landes-Geschäftsführer Herr Daniel Sander. Die MIT war vertreten mit Herrn Dr. Albrecht Geier (Mitglied des Bundesvorstandes) sowie den Kreisvorsitzenden Ravensburg Herrn Christian Bangert und Bodensee Herr Dr. Hartmut Kräwinkel.


Bild 4 Blick auf die Zuhörer

 

Leider nicht dabei sein konnten Herr Ministerpräsident Kretschmann und unsere Wirtschaftsministerin Frau Hoffmeister-Kraut, die in einer persönlichen Grußbotschaft eine gute Veranstaltung wünschten. Dies traf auch zu für Herrn Staatssekretär Thomas Bareiß und MdB Lothar Riebsamen. Politische Prominenz war dennoch gegeben durch den Bundestagskandidaten für die CDU im Bodenseekreis, Herrn Volker Mayer-Lay.

Danach übernahm wieder Rolf Benzmann, der im weiteren Verlauf professionell durch alle Gesprächsrunden führte. 


Bild 5 Lieferketten-Gesprächsrunde, vlnr: R. Benzmann, M. Buck, F. Mey, M. Groneberg, C. Bangert

 

Martin Buck referierte über die Lieferketten und stellte dar, dass schon der Name als solcher nicht richtig sei; die Kette sei nämlich ein Netzwerk. Die Interdependenzen aufzulösen sei meist nahezu unmöglich; die Firmen seien immer eingebunden in ein Geflecht von Liefervorgängen, Herkunftsländern und Logistikwegen.

Die Herstelltiefe innerhalb der BRD zu vergrößern sei allein aus Mangel an Arbeitskräften und Platz schlicht unmöglich. Seine Diskutanten auf der Bühne, Florian Mey, GF der Mey Unternehmensgruppe, Michael Groneberg, GF von Klaus Multiparking GmbH und Christian Bangert, GF von Pranatec GmbH, stimmten ihm zu, setzten aber je nach Art des Unternehmens und entsprechenden Erfahrungen andere Akzente.  Den Schlussakzent setzte Martin Buck: die Vernetzung der Welt über die extrem komplizierten Liefernetzwerke können man schlicht nicht aufdrüseln.  Die Welt hätte inzwischen eine Arbeitsteilung, die darauf beruhe, wo was von wem am besten gemacht werden könnte. Compliance-Forderungen würden bereits fast überall in die Verträge eingearbeitet. Ein Lieferkettengesetz würde mit Sicherheit ein Mehr an Bürokratie  bringen.

Bild 6 Gesprächsrunde Cyberangriffe, vlnr: R. Benzmann, U. Stürmer, Dr. H. Kräwinkel, Dr. H. Müller, M. Schmidt







 

In der zweiten Gesprächsrunde trugen Dr. Hanna Müller, GF der AMF Auto-Müller GmbH, und Maximilian Schmidt, GF der Kiesel GmbH, über Art und Folgen eines „erfolgreichen“ Cyberangriffs auf ihre Unternehmen vor.

In beiden Fällen waren alle Daten verschlüsselt und Lösegeld gefordert worden, um die Daten wieder freizugeben. Diese Erpressungsversuche wurden mit hohem zeitlich Druck durchgezogen, für jeden weiteren Tag ohne Zahlung wurde die geforderte Summe erhöht. In beiden Fällen wurde sofort die Polizei hinzugezogen. Da die Hacker wie auch hier im Ausland sitzen (in einem Fall konnte mit gewisser Wahrscheinlichkeit die Ukraine als Herkunftsort ausgemacht werden) können sie kaum belangt werden. Im einen Fall wurde nicht bezahlt, im anderen wurde die geforderten Summen gezahlt, wobei die Forderungen sich relativ genau an den Umsätzen bzw. möglichen Erträgen der Unternehmen richteten. Der angerichtete Schaden aber überstieg diese Summen bei weitem, mussten doch in mühsamer Kleinarbeit zum Teil über die Dauer von einem ganzen Jahr alle Daten nach und nach wieder hergeholt werden. Polizeirat Stürmer rät allen Firmen, gründliche Vorsorge zu treffen und begrüßte, dass beide Unternehmen sich sofort an die Polizei gewandt hatten und den Mut aufbrachten, ihre Fälle zu schildern. Solche Informationen würden andere Unternehmen warnen und dazu bringen, effektive Vorsorge in ihre Firmen-IT zu bringen und sich zu schützen. Dr. Kräwinkel pflichtete ihm bei und benannte verschiedene Einrichtungen, so zum Beispiel das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), das auf Basis der ISO 27001 ein umfassendes Grundschutz-Verfahren mit Zertifizierung bietet. Damit ist ein weitgehender Schutz auch vor trickreicheren Hacks gegeben. Seiner Meinung nach sollte jedes Unternehmen eine gründliche Analyse seiner IT, die heute fast immer das Rückgrat eines Unternehmens bildet, vornehmen, die „Unternehmensschätze“ in Risikoklassen einteilen und diese dann entsprechend mit professioneller Hilfe schützen. Ein nachträglicher Penetration-Test sei immer eine gute Sache.


Bild 7 Gesprächsrunde Arbeitsmarkt, vlnr: R. Benzmann, A. Schmieder, Dr. E. Littmann, M. Schilling, Prof. Dr. H. Dreher


Die nächste Gesprächsrunde zum Arbeitsmarkt wurde richtig spannend. Anne Schmieder, GF der KKM GmbH & Co. KG, forderte zur Verbesserung der Chancen, Mitarbeiter zu gewinnen, drei Dinge. Zum einen die Erhöhung der Grenze für Minijobs auf 600,- Euro. Dies würde die Attraktivität für alle Minijobber erhöhen und z.B. auch erfahrenen Rentnern eine geringfügige Weiterbeschäftigung ermöglichen. Nicht schaden würde auch ein soziales Jahr für junge Menschen nach der Schule wieder einzuführen – entweder in Kranken- und Pflegeeinrichtungen oder im Ausland in Projekten der Entwicklungshilfe. Zum anderen sieht sie, dass in Deutschland nicht nur Fachkräfte, sondern „Arbeitskräfte“ fehlen. Der Wandel im Verständnis sei wichtig und man sollte dafür die gesetzliche Voraussetzungen schaffen. Zum dritten war sie der Meinung, dass Gastarbeiter den Arbeitskräftemangel ausgleichen könnte. Mike Schilling, GF der Gabur GmbH und ZVDH Vizepräsident, hingegen betonte, dass er weniger einen Fachkräftemangel sondern eigentlich einen „Leistungsmangel“ sehe. Die Handwerkerschaft beklagt diesen Mangel und zusätzlich starke Fluktuationen. Dies belegte er pointenreich mit einigen Beispielen.  Prof. Dr. Dreher, Rektor der DHBW Ravensburg, verwies auf die internationale Zusammenarbeit auch und gerade über die Duale Hochschule und die Bereicherung für die Firmen. Er beklagt aber auch eine negative Einstellung mancher junger Menschen zur Leistung und zur Wirtschaft im Allgemeinen. Dr. Littmann, GF der IHSE GmbH, dessen Unternehmen auch in China zuhause ist,  sieht im Austausch der Mitarbeiter und damit in der Möglichkeit eine große Chance, Ausbildung und Entwicklungshilfe gezielt und förderlich über deutsche Unternehmen vor Ort durchführen zu können. 


Die Auszubildenden sollten aus Ländern kommen, die die Voraussetzung für ein erfolgreiche Anpassung dieser Mitarbeiter an die europäischen Werte und Gepflogenheiten haben. Er würde die Organisation eines solchen Austausches immer als Aufgabe der Unternehmen sehen.


Die MIT Bodensee und Ravensburg bedanken sich bei der Initiatorin und Sponsorin Frau Anne Schmieder, dass sie diesen Abend mit seinen Themen, die vielen unter den Fingernägeln brennen und die auch im nachfolgenden Get-together ausgiebig diskutiert wurden, mitgestalteten und zu einem Event machen durften, das unbedingt Nachfolge finden sollte.